Wie oben schon angesprochen, entstehen bei Einsatzkräften die größten Probleme durch Informationsmangel während oder nach einem Einsatz. Dies lässt sich daher erklären, dass jedes Mitglied der Einsatzmannschaft in einer solchen Situation seinen festen Platz bei der Schadensbewältigung und somit keinen Blick für das Gesamtsystem hat. D.h. fehlende Informationen jeglicher Art in Bezug auf das Einsatzgeschehen und das Fehlen einer "sinnvollen" Erklärung sind Defizite, welchen das Defusing entgegenzuwirken versucht.
Diese von Peers geleiteten Kleingruppentreffen werden innerhalb von acht Stunden nach dem Einsatz - spätestens jedoch vor dem Heimgehen - durchgeführt. Dabei werden den Einsatzkräften ein Gesamtbild des belastenden Ereignisses, sowie Informationen über mögliche Stressreaktionen und Bewältigungsstrategien vermittelt. Ein Defusing findet nicht nach dem Tod eines Kollegen (spezielles Debriefing, welches an dieser Stelle nicht gesondert erläutert wird, siehe Mitchell und Everly, 1998, S. 206) oder nach einem Großschadensereignis statt (Demobilisation und Debriefing für besonders belastende Gruppen).
Als Ziele eines Defusings können im Weiteren die "Normalisierung" der Reaktionen sowie die Minderung der Intensität dieser Reaktionen der Einsatzkräfte genannt werden. Zum Erreichen dieser Ziele läuft das Defusing in drei Phasen ab:
- Einführung
In einem ruhigen, störungsfreien Raum stellt sich einer der Peers vor und benennt den Grund sowie den Verlauf des Kleingruppentreffens. Die Teilnehmer werden motiviert und zur aktiven Teilnahme ermutigt.
- Exploration
Nun werden die Teilnehmer gebeten aus ihrer Sicht das Geschehene zu erklären, dabei beschränkt man sich auf die Frage, was ihre Aufgabe war und was sie während des Einsatzes gemacht haben. Dies geschieht in einer sehr lockeren Atmosphäre, ohne vorgegebener Reihenfolge - es spricht derjenige, der etwas sagen möchte; wer schweigt, kann dies tun. Ohne Druck wird vom Peer versucht, alle zum Sprechen zu bringen. Hierbei geraten die Einsatzkräfte automatisch zeitweise in einen emotionalen Zustand, werden dann aber vom Peer wieder in den kognitiven Bereich zurückgeführt.
Fragen zum Ablauf des Einsatzes dürfen gestellt werden und zusätzlich werden auch die Gedanken der einzelnen Teammitglieder erfragt. Wenn im Weiteren allmählich die Gespräche weniger werden, kommt Phase drei.
- Information
Auf Grund der zeitlichen Nähe zum Ereignis wird hier nicht nach den Belastungsreaktionen gefragt (höchstwahrscheinlich werden noch keine, oder nur sehr wenige Reaktionen aufgetaucht sein), sondern mögliche Reaktionen und mögliche (individuelle) Bewältigungsstrategien erklärt. An dieser Stelle muss den Einsatzkräften erklärt werden, dass es auch zu sozialen Umfeld-Reaktionen kommen kann, und dass in diesem Zusammenhang keine grundlegenden Entscheidungen im Berufs- sowie Privatleben getroffen werden sollten.
Als letztes werden mögliche Folgeinterventionen (z.B. ein Debriefing) mit dem Team ausgemacht und Einzelgespräche angeboten. Es gibt einige Hinweise dafür, dass ein Debriefing stattfinden sollte (z.B. fehlende, unangemessene oder zu viel Emotionen).
Normalerweise sollte ein Defusing nicht länger als 20 bis 45 Minuten dauern.