SvE (Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen) wird in den USA unter dem Begriff CISM (Critical Incisent Stress Management) seit mehr als 25 Jahren praktiziert und dient der Erhaltung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Mitarbeiter von Einsatzorganisationen. CISM wurde von J.T. Mitchell und G. Everly in den 70-er und 80-er Jahren entwickelt. Das Angebot stellt ein zusammenhängendes System von Interventionen dar, welche "ungünstige psychologische Reaktionen bei Einsatz- und Sicherheitskräften verhindern und/oder lindern sollen" (Mitchell und Everly, 1998, S. 20).
Ursprünglich wurde einzig die Einsatz-Nachbesprechung CISD (Critical Incident Stress Debriefing) von Mitchell und Everly beschrieben. Erst später (in den 80-er Jahren) wurde das Angebot auf Grund der Erfahrungen auf mehrere verschiedene Interventionsformen ausgedehnt und unter dem Begriff CISM zusammengefasst.
Bei den angewandten Maßnahmen handelt es sich vorwiegend um nachsorgende Betreuungen in Form von strukturierten Einzel- oder Gruppengesprächen, also um Sekundärpräventionen bei Einsatzkräften zur Vorbeugung möglicher Spätfolgen (vor allem der PTBS) nach einem belastenden Einsatz.
In Deutschland wird für dieses Angebot der Begriff SbE (Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen) verwendet. Nach unserer Ansicht wirft diese Übersetzung drei hier nicht beantwortbare Fragen auf: Warum wurde der im deutschsprachigen Raum geläufige Begriff "Stressmanagement" nicht auch in der deutschen Übersetzung verwendet, und wie kann Stress "bearbeitet" werden? Da eine psychosoziale Fachkraft oder ein Peer der betroffenen Einsatzkraft hilft, die Stresssituation möglichst effizient und schnell zu verarbeiten, wäre daher nicht "Stressverarbeitung" der idealere Begriff? Aus diesem Grund verwendet das österreichische Rote Kreuz den Begriff SvE (Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen) für den Maßnahmenkatalog zur Betreuung von Einsatzkräften nach belastenden Einsätzen.
Wichtig ist zu sehen, dass SvE keine Psychotherapie oder kein Ersatz dafür ist, da bei den Einsatzkräften die akute Belastungsreaktion als eine normale Reaktion auf eine abnormale Situation gilt. Sofern die Belastungsreaktionen nach vier Wochen nicht abklingen, wird die Einsatzkraft an einen Psychotherapeuten weiter vermittelt.